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EEG-Novelle 2026: Was sich an der Einspeisevergütung ab 2027 ändern soll
Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 einen Regierungsentwurf beschlossen. Was darin steht - und was er für neue Solaranlagen bedeuten würde.
Die feste Einspeisevergütung soll für neue Anlagen umgebaut werden - nicht ersatzlos gestrichen. Was im Regierungsentwurf vom 29. Juli 2026 steht und was das für dich hieße.
Von Noah Schonnebeck · Gründer & Strategie · Veröffentlicht am 2026-04-28 · Aktualisiert am 2026-08-06
Die kurze Antwort: Die feste Einspeisevergütung soll für neue Solaranlagen nicht ersatzlos wegfallen, sondern umgebaut werden. Der Regierungsentwurf sieht einen einheitlichen Wert von 6,2 ct/kWh vor, dazu eine befristete Übergangszahlung und einen Bonus für die Direktvermarktung. Beschlossen ist davon noch nichts.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Stand 6. August 2026: Regierungsentwurf vom 29. Juli 2026, noch kein geltendes Recht. Der Bundestag befasst sich ab September 2026 damit.
- Vorgesehen ist kein ersatzloser Wegfall, sondern ein einheitlicher anzulegender Wert von 6,2 ct/kWh.
- Als Übergang ist eine Zahlung von rechnerisch 5,2 ct/kWh über 36 Monate vorgesehen, dazu ein Direktvermarktungsbonus von 1,5 ct/kWh über bis zu 48 Monate.
- Die Leistungsgrenze soll gestaffelt gelten: Inbetriebnahme 2027 unter 50 kW, 2028 unter 25 kW, 2029 und 2030 unter 7 kW.
- Bis dahin gelten die aktuellen Sätze: seit 1. August 2026 sind es 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung für Neuanlagen bis 10 kWp.
- Unabhängig vom Gesetz gilt: Mit Speicher und HEMS sind Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 90 Prozent realistisch, ohne meist nur 25 bis 35 Prozent.
Worum es geht
An sonnigen Mittagen erzeugen Millionen Solaranlagen gleichzeitig Strom, den in diesem Moment kaum jemand braucht. Die Bundesregierung will die Förderung deshalb umbauen: weg von der festen Zahlung für jede eingespeiste Kilowattstunde, hin zu mehr Eigenverbrauch und marktnaher Vermarktung. Dieser Artikel erklärt in einfacher Sprache, was geplant ist, was heute schon gilt und wie deine Anlage in beiden Fällen wirtschaftlich bleibt - unter anderem mit einem HEMS als Steuerzentrale.
Wo das Gesetz gerade steht
Das Bundeskabinett hat die EEG-Novelle am 29. Juli 2026 als Regierungsentwurf beschlossen. Damit ist sie noch kein geltendes Recht. Der Bundestag befasst sich ab September 2026 damit; im parlamentarischen Verfahren können sich Beträge, Fristen und Grenzen noch ändern. Alle folgenden Zahlen sind deshalb als Planung zu lesen, nicht als Zusage.
Stand: 6. August 2026. Maßgeblich sind am Ende das beschlossene Gesetz und die Vorgaben der Bundesnetzagentur. Bestandsanlagen wären von den Neuregelungen nach dem Entwurf nicht betroffen - für sie gelten die Konditionen weiter, die bei Inbetriebnahme galten.
Was der Entwurf vorsieht
Der Entwurf würde die bisherigen, nach Anlagengröße gestaffelten Sätze durch eine einheitliche Systematik ersetzen. Vorgesehen sind im Kern drei Bausteine:
| Baustein | Wert laut Entwurf | Dauer |
|---|---|---|
| Einheitlicher anzulegender Wert | 6,2 ct/kWh | dauerhaft für neue Anlagen |
| Übergangszahlung | rechnerisch 5,2 ct/kWh | 36 Monate |
| Direktvermarktungsbonus | 1,5 ct/kWh | bis zu 48 Monate |
Auch die Leistungsgrenze, ab der diese Regeln greifen würden, soll nicht auf einen Schlag kommen, sondern nach dem Jahr der Inbetriebnahme gestaffelt werden:
| Inbetriebnahme | Betroffene Anlagen |
|---|---|
| 2027 | unter 50 kW |
| 2028 | unter 25 kW |
| 2029 und 2030 | unter 7 kW |
Die Begründung des Ministeriums: Solaranlagen sind in den letzten Jahren so stark im Preis gefallen, dass sie sich auch mit geringerer Vergütung rechnen sollen. Das große „Aber“: Diese Rechnung geht nur auf, wenn du einen hohen Anteil des erzeugten Stroms auch selbst verbrauchst.
Was heute gezahlt wird
Solange die Novelle nicht beschlossen ist, gelten die regulären Sätze. Seit dem 1. August 2026 sind das für Neuanlagen bis 10 kWp 7,70 ct/kWh bei Teileinspeisung und 12,22 ct/kWh bei Volleinspeisung. Zum Vergleich: Eine selbst verbrauchte Kilowattstunde ist 30 bis 40 Cent wert - nämlich genau das, was du sonst beim Versorger zahlen würdest.
Die Falle der negativen Strompreise
Unabhängig von der Novelle gilt für alle Anlagen, die ab 2025 in Betrieb gingen: Bei negativen Strompreisen an der Börse entfällt die Einspeisevergütung.
Was das in der Praxis bedeutet, lässt sich an einem typischen Beispiel zeigen: Stell dir einen windigen, wolkenlosen Sonntagmittag im Mai vor. Ganz Deutschland produziert Solar- und Windstrom im Überfluss, aber die großen Fabriken stehen still, weil Wochenende ist. Das Angebot übersteigt die Nachfrage extrem. An der Strombörse fällt der Preis unter null.
Im Jahr 2025 passierte genau das in beinahe 575 Stunden. In dieser Zeit bekamen Betreiber neuerer Anlagen für ihren eingespeisten Strom nichts. Wer mittags auf der Arbeit war, hat den Strom effektiv verschenkt.
Was du statt Einspeisen mit deinem Solarstrom machen kannst, rechnen wir im Vergleich aller Wege, PV-Überschuss zu nutzen durch.
Wie du eine alte PV-Anlage von Volleinspeisung auf Eigenverbrauch umstellst, steht in Alte PV-Anlage: Überschuss nutzen ohne Wechselrichtertausch.
Was heute schon für Neuanlagen gilt, also 60-%-Regel und Nullvergütung bei negativen Preisen, erklären wir im Artikel zum Solarspitzengesetz.
Nulleinspeisung: eine mögliche Option
Wenn für die Einspeisung immer weniger Geld fließt, stellt sich die Frage: Warum dann überhaupt noch ins Netz einspeisen? Für sogenannte Nulleinspeiseanlagen sollen bürokratische Hürden abgebaut werden. Das sind Anlagen, deren Besitzer bewusst keinen Überschussstrom ins öffentliche Netz abgeben. Stattdessen wird der Strom im Haus verbraucht, zwischengespeichert oder notfalls durch die Anlage selbst abgeregelt. Auch das steht im Entwurf und ist noch nicht beschlossen.
Was jetzt schon sicher hilft: Speicher und ein intelligentes Energiemanagement
Egal, wie das Gesetzgebungsverfahren ausgeht - die Richtung ist eindeutig: Eigenverbrauch ist deutlich mehr wert als Einspeisung. Die Zukunft der Heimsysteme besteht aus einem Dreiklang: Solarmodule, Heimspeicher und ein intelligentes Energiemanagement-System (HEMS). Ein Heimspeicher kann sich übrigens zusätzlich netzdienlich Geld verdienen.
- Der Batterie-Puffer: Der Heimspeicher fängt die Mittagsspitzen ab. Statt Energie für wenige Cent einzuspeisen, lädst du sie in die Batterie und nutzt sie abends, wenn der Strom teuer ist.
- Das HEMS als Dirigent: Ein Home Energy Management System misst laufend, wie viel Strom auf dem Dach erzeugt und wie viel im Haus gebraucht wird. Bevor Strom günstig ins Netz geht, schaltet es Großverbraucher ein - die Wärmepumpe heizt das Warmwasser, die Wallbox lädt das Auto.
- Rendite durch Ersparnis: Dein eigener Solarstrom kostet dich nur wenige Cent. Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart dir den teuren Stromeinkauf beim Versorger - aktuell oft 30 bis 35 Cent pro kWh.
Faustregel: Je höher dein Eigenverbrauch, desto schneller amortisiert sich deine Anlage. Mit Speicher und HEMS sind Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 90 % realistisch - ohne meist nur 25 bis 35 %.
Was du jetzt konkret tun solltest
- Eigenverbrauch ehrlich prüfen: Wie viel Strom brauchst du wirklich, wann brauchst du ihn - und wie viel davon kommt heute schon vom Dach?
- Speicher mitdenken: Eine PV-Anlage ohne Batterie ist in den meisten Fällen nicht mehr die wirtschaftlich beste Wahl.
- Großverbraucher koppeln: Wärmepumpe, Wallbox und Warmwasserspeicher sollten steuerbar sein - sonst kann das HEMS nichts verschieben.
- HEMS einplanen: Ohne intelligente Steuerung lässt du Geld liegen. Ein offenes System wie enyo verbindet Geräte aller Hersteller miteinander.
- Gesetzgebung beobachten: Wer 2027 in Betrieb geht, sollte das Verfahren im Herbst 2026 im Blick behalten - die endgültigen Werte stehen erst danach fest.
Fazit: Der Eigenverbrauch entscheidet
Der Regierungsentwurf würde die Einspeisung nicht abschaffen, aber deutlich weniger wert machen. Wer seine PV-Anlage weiter wie ein kleines Kraftwerk fürs Netz betreibt, verschenkt Geld - unabhängig davon, wie das Gesetz am Ende ausfällt.
Die Zukunft gehört denjenigen, die ihren Sonnenstrom als wertvolles Gut für den Eigenbedarf betrachten - und die Technik nutzen, um sich weitgehend unabhängig von Börsenpreisen und Stromanbietern zu machen. Speicher, Wärmepumpe, E-Auto und ein offenes HEMS sind dafür keine Spielerei, sondern die Grundausstattung.