Technik · 9 min
Stiebel Eltron & Tecalor Wärmepumpe mit Wechselrichter & PV: Die offenste Schnittstelle - ISG, Modbus & EEBus
Warum das ISG mit Modbus TCP die offenste Wärmepumpen-Schnittstelle bietet - und warum sie ohne intelligente Steuerungsebene trotzdem ihr Potenzial nicht ausspielt.
Stiebel Eltron und Tecalor sind dieselbe Technik unter zwei Marken - und bieten über das ISG mit SG Ready, Modbus TCP und EEBus eine der offensten Wärmepumpen-Schnittstellen am Markt. Das volle Potenzial hebt erst eine intelligente Steuerungsebene dazwischen.
Von Noah Schonnebeck · Veröffentlicht am 2026-05-27
Das Wichtigste auf einen Blick
- Stiebel Eltron und Tecalor sind baugleich - gleiche Geräte, gleiches ISG, gleiche Modbus-Register, nur anders etikettiert.
- Das ISG (Internet Service Gateway) öffnet drei Wege gleichzeitig: SG Ready, kostenlos integriertes Modbus TCP und EEBus.
- Eine direkte Verbindung Wechselrichter-Wärmepumpe funktioniert nicht - es braucht eine vermittelnde Intelligenz für Timing, Hysterese und Prioritäten.
- Eigenbau über Loxone, Home Assistant oder evcc ist möglich, aber fragil; ein herstellerübergreifendes HEMS hebt die ISG-Offenheit ohne Bastelei.
Wer eine Stiebel Eltron- oder Tecalor-Wärmepumpe mit einem Wechselrichter koppeln will, hat technisch die besten Karten aller hier verglichenen Marken. Denn anders als bei vielen Wettbewerbern ist die Schnittstelle offen und vorbildlich dokumentiert. Das macht Stiebel/Tecalor zum Liebling der Smart-Home-Gemeinde - aber auch hier gibt es einen entscheidenden Punkt, an dem es ohne die richtige Steuerungsebene hakt. Schauen wir uns das an.
Tecalor ist die Schwestermarke von Stiebel Eltron im selben Konzern - die Geräte sind weitgehend baugleich, nur anders etikettiert und über einen anderen Kanal vertrieben (Tecalor vorwiegend über den Großhandel/SHK). Was zur Steuerung der einen Marke gilt, gilt praktisch identisch für die andere; selbst die Modbus-Register und das ISG sind dieselben. Wir behandeln beide gemeinsam.
Der Schlüssel zu allem ist das ISG (Internet Service Gateway) - ein kleines Zusatzgerät, das die Wärmepumpe ins Heimnetz bringt. Es ermöglicht nicht nur die Bedienung per Browser und MyStiebel-App, sondern eröffnet drei Steuerungswege auf einmal: SG Ready, eine umfangreiche Modbus-TCP-Schnittstelle und EEBus. Stiebel nennt das HEMS-Szenario sogar ausdrücklich: die Regelung der Wärmepumpe auf eine vom Energiemanager vorgegebene Leistung.
Besonders die Modbus-TCP-Schnittstelle ist legendär offen: In aktuellen ISG-web-Versionen ist sie kostenlos integriert, und Stiebel veröffentlicht eine vollständige Liste aller les- und schreibbaren Register (Temperaturen, Betriebszustände, SG-Ready-Status u. v. m.). Das ist der Grund, warum Stiebel/Tecalor in Loxone, Home Assistant, ioBroker und evcc so beliebt ist.
1. SG Ready (der einfache Weg). Über die zwei Eingänge (bzw. die SG-Ready-Modbus-Adresse) schaltet die Wärmepumpe bei Überschuss in Betriebszustand 3 („Boost") und hebt z. B. die Warmwassertemperatur an (etwa von 50 auf 55 °C). Funktioniert zuverlässig, ist aber grobe Stufenlogik.
2. Modbus TCP (der flexible Weg). Über das ISG lässt sich die Wärmepumpe sehr granular auslesen und in Teilen schreiben - Betriebszustände setzen, Temperaturen und Status überwachen. Damit lässt sich die Überschuss-Nutzung deutlich feiner und situationsabhängiger steuern als mit zwei Schaltkontakten.
3. EEBus (der standardisierte Weg). Über das ISG Connect kann die Wärmepumpe auf eine vom Energiemanager vorgegebene Leistung geregelt werden - die Basis für eine saubere, herstellerübergreifende Anbindung.
So offen die Schnittstelle ist - sie steuert sich nicht von selbst. Ein erfahrener Nutzer bringt es im Forum auf den Punkt: Eine direkte Verbindung zwischen Wechselrichter und Wärmepumpe funktioniert nicht, man braucht eine „Intelligenz" dazwischen. Das ISG liefert die Schnittstelle, aber nicht die Entscheidung, wann und wie viel geheizt werden soll.
Und genau hier zeigen sich in der Praxis die typischen Stolpersteine, wenn man es nur mit SG Ready oder einer simplen Automation versucht:
Wer das selbst löst, landet schnell bei Loxone-, Home-Assistant- oder evcc-Konfigurationen mit Registern, YAML und Kalibrierung - möglich, aber nichts für jeden Haushalt. Simple Energiemanager wiederum sind vielen zu unflexibel, weil sie kaum mehr als ein paar Funksteckdosen schalten.
Weil das ISG offen ist, läuft die Kombination grundsätzlich mit jedem Wechselrichter - entscheidend ist, wie der Überschuss zur Wärmepumpe vermittelt wird:
Häufige Kombination; über digitale Ausgänge bzw. SG Ready koppelbar, für feinere Steuerung via ISG/Modbus mit einer vermittelnden Instanz. → Fronius Wechselrichter mit Wärmepumpe
Über den Sunny Home Manager per SG Ready möglich; die volle Offenheit des ISG (Modbus) nutzt der SHM aber nicht aus. → SMA Wechselrichter mit Wärmepumpe
Per SG Ready über EMMA/FusionSolar einbindbar; die granulare Modbus-Ebene des ISG bleibt dabei ungenutzt. → Huawei Wechselrichter mit Wärmepumpe
Beliebte Kombination: Plenticore-Schaltausgang auf den SG-Ready-Eingang des ISG. Wo Wechselrichter und ISG räumlich getrennt sind, behelfen sich Nutzer per Home Assistant über Modbus. → Kostal Wechselrichter mit Wärmepumpe
Über den DO-Port und SG Ready koppelbar; die Modbus-Tiefe des ISG erschließt erst eine übergeordnete Steuerung. → Sungrow Wechselrichter mit Wärmepumpe
Über das Smart Energy Relais und SG Ready einbindbar; für die feine Steuerung wieder über das ISG/Modbus mit vermittelnder Instanz. → SolarEdge Wechselrichter mit Wärmepumpe
Stiebel/Tecalor bietet die offenste Schnittstelle im Vergleich - aber genau dieses Potenzial bleibt liegen, wenn niemand den Überschuss vom Wechselrichter intelligent zur Wärmepumpe vermittelt und dabei Timing, Hysterese und Prioritäten (Wärmepumpe, Auto, Batterie) regelt. Eigenbau über Loxone, Home Assistant oder evcc kann das, ist aber aufwändig und fragil. Herstellergebundene Energiemanager nutzen die ISG-Offenheit dagegen kaum aus.
Genau hier spielt ein HEMS (Home Energy Management System) wie enyo seine Stärke aus - und bei Stiebel/Tecalor besonders, weil das ISG so viel zulässt. Es übernimmt die „Intelligenz" zwischen PV und Wärmepumpe: Es liest den echten Überschuss aus dem Wechselrichter, steuert die Wärmepumpe über das ISG (SG Ready, Modbus oder EEBus) situationsabhängig, lädt Warmwasser- und Pufferspeicher vormittags vor, wenn Sonne kommt, und berücksichtigt Wetterprognose und dynamischen Strompreis. Gleichzeitig löst es die Praxis-Fallen - sinnvolles Timing statt blinder Schwellwerte, Priorisierung Wärmepumpe vor Akku - und das herstellerübergreifend, egal welche Marke dein Wechselrichter hat.
So wird aus der offensten Wärmepumpen-Schnittstelle am Markt endlich der Eigenverbrauch, der technisch möglich ist - in der Regel ohne Hardwaretausch.
Inhalt
- Erst die Einordnung: Stiebel Eltron = Tecalor
- Warum Stiebel/Tecalor anders ist: das ISG als offenes Tor
- Die relevanten Modelle und Komponenten
- Die Wege, Stiebel/Tecalor mit PV zu koppeln
- Der eigentliche Knackpunkt: die Wärmepumpe braucht eine „Intelligenz" dazwischen
- Stiebel/Tecalor mit den 6 großen Wechselrichter-Herstellern
- Fronius
- SMA
- Huawei
- Kostal
- Sungrow
- SolarEdge
- Das Problem in der Praxis: das Potenzial ist riesig, der Vermittler fehlt
- Die saubere Lösung: ein herstellerübergreifendes Energiemanagement
- Häufige Fragen
Die Kopplungswege im Stiebel/Tecalor-System
| Kopplungsweg | Was die WP damit macht | Grenze |
|---|---|---|
| SG Ready | Betriebszustand 3 bei Überschuss, Sollwert-Anhebung | Grobe Stufen, Hysterese-/Timing-Fallen |
| Modbus TCP (über ISG) | Granulares Auslesen & Steuern, voll dokumentiert | Braucht einen Master, der aktiv steuert |
| EEBus (über ISG Connect) | Leistungsvorgabe durch Energiemanager | Funktionsumfang je nach Gegenstelle |
Häufige Fragen
Sind Stiebel Eltron- und Tecalor-Wärmepumpen baugleich?
Weitgehend ja. Tecalor ist die Schwestermarke von Stiebel Eltron im selben Konzern; die Geräte und auch das ISG samt Modbus-Registern sind praktisch identisch, nur anders etikettiert und vertrieben.
Was ist das ISG bei Stiebel Eltron / Tecalor?
Das Internet Service Gateway verbindet die Wärmepumpe mit dem Heimnetz und ermöglicht Bedienung per Browser/App sowie die Anbindung über SG Ready, Modbus TCP und EEBus. Für SG-Ready- und Modbus-Funktionen ist es Voraussetzung.
Kann ich die Stiebel/Tecalor per Modbus TCP steuern?
Ja. In aktuellen ISG-web-Versionen ist die Modbus-TCP-Schnittstelle kostenlos integriert, und Stiebel veröffentlicht eine vollständige Registerliste. Auslesen ist umfassend möglich, Schreiben für die relevanten Steuergrößen (z. B. SG-Ready-Status) ebenfalls.
Warum springt meine Wärmepumpe bei PV-Überschuss nicht richtig an?
Häufige Ursache ist die Hysterese-/Timing-Einstellung: zu große Hysterese verhindert das Anspringen, zu kleine lässt den Verdichter nachts laufen. Reine SG-Ready-Schwellwerte treffen das gewünschte Vormittags-Laden bei Sonne nur grob - hier hilft eine vorausschauende Steuerung.
Reicht ein einfacher Energiemanager für Stiebel/Tecalor?
Oft nicht: Simple Energiemanager schalten primär Steckdosen und nutzen die Offenheit des ISG kaum. Für echte, situationsabhängige Steuerung über Modbus/EEBus und für die Priorisierung mehrerer Verbraucher ist ein flexibles, herstellerübergreifendes HEMS die bessere Wahl.
Wie binde ich die WPL-A über Modbus TCP in ein Energiemanagement ein?
Die Stiebel Eltron WPL-A (z. B. 07, 10.2 Plus) wird über das ISG web/ISG plus ins Heimnetz gebracht; darüber stellt sie eine vollständig dokumentierte Modbus-TCP-Schnittstelle bereit. Ein Energiemanagement liest darüber Temperaturen und Betriebszustände aus und schreibt Steuergrößen (z. B. den SG-Ready-Status), um die Wärmepumpe am PV-Überschuss zu führen. Den Überschuss selbst holt die WPL-A nicht ab - das übernimmt die vermittelnde Steuerung.
Ist die WPL-A §14a-konform?
Ja. Die WPL-A lässt sich über SG Ready bzw. das ISG netzdienlich ansteuern, wie es §14a EnWG für neue Wärmepumpen verlangt - im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte. Was §14a bedeutet und wie du die Rabatte mitnimmst, erklären wir im Ratgeber zu §14a EnWG.
Was leistet enyo zusätzlich?
enyo ist ein herstellerübergreifendes Energiemanagement, das Stiebel Eltron- und Tecalor-Wärmepumpen und Wechselrichter verschiedener Hersteller über die verfügbaren Schnittstellen (SG Ready, Modbus, EEBus) koordiniert. Es liest den echten PV-Überschuss aus dem Wechselrichter, steuert die Wärmepumpe vorausschauend auf Basis von Wetterprognose und dynamischem Strompreis und priorisiert Wärmepumpe, Auto und Hausakku gegeneinander - markenunabhängig.
Über enyo
enyo ist ein lokales, herstellerübergreifendes Energiemanagement-System aus Köln. Der enyo connector wird im Heimnetz betrieben und verbindet Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox verschiedener Hersteller. Er kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, wird ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen und verteilt die vom Netzbetreiber vorgegebene Leistungsgrenze nach §14a EnWG intelligent auf die Geräte im Haus. Entwickelt in Köln, hergestellt in Deutschland.
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