Markt & Tarife · 13 min
HEMS-Vergleich 2026: 8 Energiemanagement-Systeme im Überblick
Wärmepumpe, Batteriespeicher, Netzdienlichkeit, Kosten über fünf Jahre: Was die acht relevantesten Energiemanagement-Systeme können - und wo ihre Grenzen liegen.
Der Markt für Energiemanagement hat sich 2026 stark aufgefächert: kostenlose Open-Source-Software, Cloud-Apps ganz ohne Hardware, Gateways für den Zählerschrank, Boxen mit eigenem Stromtarif. Dieser Überblick stellt die acht relevantesten Systeme gegenüber - anhand der Kriterien, die im Alltag den Unterschied machen.
Von enyo Redaktion · Veröffentlicht am 2026-07-31
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wärmepumpe, Batteriespeicher und netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG trennen das Feld stärker als der Preis.
- Vier Systeme arbeiten cloudbasiert und benötigen dauerhaftes Internet, zwei laufen uneingeschränkt lokal weiter.
- Über fünf Jahre reichen die Gesamtkosten von rund 100 Euro (evcc) bis rund 1.500 Euro (1KOMMA5° Heartbeat).
- Systemtypen reichen von Open-Source-Software über Cloud-Apps ohne Hardware bis zu Boxen mit eigenem Stromtarif.
- Seit 2024 müssen neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW dem Netzbetreiber eine Leistungsreduzierung nach §14a EnWG ermöglichen.
Der Markt für Energiemanagement hat sich 2026 stark aufgefächert: kostenlose Open-Source-Software, Cloud-Apps ganz ohne Hardware, Gateways für den Zählerschrank, Boxen mit eigenem Stromtarif. Dieser Überblick stellt die acht relevantesten Systeme gegenüber - anhand der Kriterien, die im Alltag den Unterschied machen.
Die Herstellerbreite ist qualitativ eingestuft, weil die Anbieter Unterschiedliches ausweisen: enyo bindet herstellerübergreifend alle gängigen Marken ein, clever-PV nennt über 80 Hersteller, Solar Manager über 700 Geräte ohne Herstellerangabe, evcc arbeitet mit einem offenen Template-System. Bei 1KOMMA5° und E.ON Home ist die veröffentlichte Liste dagegen deutlich kürzer - Details dazu weiter unten.
Ein Energiemanagement wird an drei Disziplinen gemessen: Wie tief bindet es die Wärmepumpe ein, wie klug bewirtschaftet es den Batteriespeicher, und setzt es die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG selbst um? Hier trennt sich das Feld stärker als beim Preis.
Zur Wärmepumpe: Fast alle Systeme können eine Wärmepumpe einschalten. Deutlich weniger können ihr sagen, wie sie laufen soll. Der Unterschied zwischen einem geschalteten SG-Ready-Kontakt und einer konkreten Leistungsvorgabe über eine digitale Schnittstelle entscheidet darüber, wie viel Überschuss tatsächlich in Wärme wandert - Details im Beitrag Direktsteuerung oder Energiemanagement.
Zum Batteriespeicher: Der Speicher ist der flexibelste Baustein im Haus, und die Systeme gehen sehr unterschiedlich mit ihm um. Eine einfache Logik lädt ihn, sobald Überschuss anfällt. Eine prognosebasierte Steuerung hält mittags Kapazität frei, wenn für den Nachmittag noch Ertrag erwartet wird, lädt bei negativen oder sehr niedrigen Börsenpreisen gezielt aus dem Netz und entlädt in teuren Stunden. Bei 1KOMMA5° geht das bis zum aktiven Börsenhandel über ein virtuelles Kraftwerk - das ist im Feld die weitestgehende Umsetzung, allerdings an Tarif und Plattform des Anbieters gebunden.
Zur Netzdienlichkeit: Seit 2024 müssen neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW dem Netzbetreiber eine Leistungsreduzierung ermöglichen (§14a EnWG). Dafür gibt es zwei Wege: Der Netzbetreiber steuert jedes Gerät direkt an, oder er übermittelt eine Summengrenze an ein Energiemanagementsystem, das sie intelligent auf die Geräte verteilt. Nicht jedes System deckt den zweiten Weg ab - clever-PV empfiehlt im eigenen §14a-Leitfaden ausdrücklich die Direktansteuerung, evcc benötigt dafür eine zusätzliche Steuerbox. Hinzu kommen die Anforderungen des Solarspitzengesetzes an die Fernsteuerbarkeit neuer Anlagen.
Für die vertiefende Prüfung gibt es eigene Vergleiche zu evcc, Solar Manager, clever-PV, 1KOMMA5° Heartbeat, E.ON Home, SpotMyEnergy und Kiwigrid. Dort gehen wir jeweils genauer auf Kompatibilität, Kosten, Installation und mögliche Abhängigkeiten ein.
evcc im Detail ist ein Open-Source-Projekt unter MIT-Lizenz, das seit 2020 entwickelt wird. Die Software läuft auf eigener Hardware - typischerweise einem Raspberry Pi - vollständig lokal und ohne Cloud. Sie deckt PV-Überschussladen, dynamische Tarife, Gerätepriorisierung, Ladeplanung und Wärmepumpensteuerung ab und unterstützt über ein Template-System sehr viele Geräte. Seit Version 0.300 im Januar 2026 lässt sie sich vollständig im Browser einrichten. Die Software ist kostenlos; für viele kommerzielle Geräteschnittstellen wird ein Sponsor-Token benötigt (rund 2 bis 4 US-Dollar monatlich oder etwa 100 bis 150 einmalig). Zu berücksichtigen: Es gibt keine Gewährleistung, keinen Support-Anspruch und keine zugesicherte Verfügbarkeit; Einrichtung, Wartung und Sicherheitsupdates liegen beim Nutzer. Für §14a EnWG ist eine zusätzliche Steuerbox erforderlich.
Solar Manager im Detail ist ein Schweizer Anbieter mit über 50.000 installierten Systemen und einer deutschen Tochtergesellschaft. Das System besteht aus einem lokalen Gateway, App und Cloud-Plattform; die aktuelle Standardvariante Connect 2 ist ein Hutschienen-Gerät für den Zählerschrank und wird vom Elektriker installiert. Gesteuert werden PV, Batterie, Wärmepumpe, Warmwasser, Wallbox und Smart Plugs - mit stufenloser Geräteregelung, Lastmanagement, PV-Prognose und Unterstützung mehrerer dynamischer Tarifanbieter. Seit Juni 2026 gibt es eine KI-gestützte Optimierung. Das Abo ist verpflichtend: 48 Euro (Basic) bis 72 Euro (Premium) im Jahr, das erste Jahr ist im Kaufpreis enthalten. Ohne aktives Abo lässt sich das Gerät nicht nutzen.
clever-PV im Detail ist eine reine Cloud-Software ohne eigene Hardware, entwickelt von einem bayerischen Anbieter mit über 85.000 registrierten Nutzern. Die Anbindung läuft über die Cloud-Schnittstellen der Gerätehersteller: Der Nutzer hinterlegt seine Zugangsdaten zum jeweiligen Hersteller-Portal, eine Installation entfällt. Unterstützt werden über 80 Hersteller, darunter 35 Wechselrichter- und Speichermarken sowie 33 Wallbox-Marken. Der Einstiegstarif ist dauerhaft kostenlos, die automatische Steuerung kostet 72 Euro im Jahr. Grenzen: Ohne Internetverbindung ist keine Steuerung möglich, Geräte ohne offene Hersteller-Cloud lassen sich nicht einbinden, Wärmepumpen sind bei fünf Marken direkt angebunden - alle weiteren nur über SG Ready mit einem WLAN-Schalter. Eine §14a-Steuerung über das System ist laut Anbieterangaben (Stand Juli 2026) nicht vorgesehen.
1KOMMA5° Heartbeat im Detail stammt von einem vertikal integrierten Anlagenbauer, der Photovoltaik, Wärmepumpen, Speicher und Wallboxen über eigene Handwerksbetriebe installiert. Heartbeat besteht aus Gateway, Cloud und App und ist eng mit dem Energiehandel verbunden: eigener dynamischer Stromtarif, automatisierter Börsenhandel, Batterie-Arbitrage und ein virtuelles Kraftwerk, das im Mai 2026 rund ein Gigawatt steuerbare Leistung erreichte. Nach Anbieterangaben sind über 60.000 Haushalte vernetzt. Die Box kostet 599 Euro einmalig plus 14,99 Euro monatlich; der Funktionsumfang entfaltet sich im Wesentlichen mit dem hauseigenen Stromtarif. Zur Kompatibilität: Die Pressemitteilungen nennen eine Abdeckung von rund 60 Prozent der Bestandsanlagen, die veröffentlichte Kompatibilitätsliste führt für Deutschland Integrationen von gut einem Dutzend Herstellern - konkrete Geräte sollten vorab geprüft werden.
E.ON Home im Detail basiert technisch auf der E.ON-Tochter gridX und deren gridBox. Die Hardware kostet 199 Euro, läuft lokal mit Echtzeitmessung, ist selbst installierbar und deckt §14a EnWG sowie §9 EEG ab; dazu kommt ein Basispaket für 9,99 Euro monatlich, wobei die Preisoptimierung mit dynamischen Tarifen bis Ende 2026 kostenfrei enthalten ist. Die Einschränkung liegt in der Freigabeliste: Für die Nachrüstung bestehender Anlagen werden derzeit bestimmte Wechselrichter von Sungrow und Kostal sowie drei Wallbox-Modelle unterstützt. Die zugrundeliegende gridX-Technik ist herstellerunabhängig, die freigegebene Liste für E.ON Home ist es bislang nicht.
SpotMyEnergy im Detail kombiniert Messstellenbetrieb, Smart Meter, dynamischen Tarif und Steuerungssoftware zu einem Paket. Der Anbieter ist selbst Messstellenbetreiber und Stromhändler und adressiert damit den Engpass, an dem viele Installationen hängen: die Verfügbarkeit eines intelligenten Messsystems. Gesteuert werden PV, Speicher, Wallbox, Wärmepumpe und Klimageräte, überwiegend durch Lastverschiebung anhand des Tarifsignals; zeitvariable Netzentgelte nach §14a Modul 3 werden unterstützt. Das Energiemanagement selbst ist im Messstellenbetrieb und Tarif eingepreist. Im Gegenzug bindet man sich an Messstellenbetrieb und Stromlieferant.
Kiwigrid im Detail ist ein Dresdner Plattformanbieter, dessen Technik hinter Energiemanagement-Produkten von Versorgern, Herstellern und Installateuren steckt. Verkauft wird nicht an Endkunden, sondern als White-Label-Lösung - der Kiwigrid Energy Manager ist nach Anbieterangaben in zehntausenden Gebäuden im Einsatz. Die Plattform deckt §14a EnWG, §9 EEG und dynamische Tarife ab; seit Januar 2026 gibt es eine erweiterte Wärmepumpensteuerung über SG Ready und EEBus. Wer ein solches Produkt über sein Stadtwerk bezieht, sollte die Konditionen des jeweiligen Anbieters prüfen, nicht die von Kiwigrid.
enyo ist eine lokale Box, die im Heimnetz betrieben wird und ohne Internetverbindung weiterarbeitet. Sie bindet herstellerübergreifend alle gängigen Marken ein und steuert Wärmepumpe, PV, Batteriespeicher und Wallbox über die jeweils beste verfügbare Schnittstelle - bei Wärmepumpen über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus, wo das Gerät sie bietet, statt über den SG-Ready-Kontakt. Der Batteriespeicher wird prognose- und preisbasiert bewirtschaftet, die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG wird über das System abgebildet, ebenso §9 EEG. Die Box kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, ist auf Inbetriebnahme ohne Elektriker ausgelegt und über ein SDK durch Dritte erweiterbar. Nicht enthalten: Stromhandel oder ein eigener Tarif, wie ihn Heartbeat oder SpotMyEnergy bieten; clever-PV weist in der eigenen Liste mehr Hersteller aus.
Ein einmaliger Kaufpreis und ein Monatsabo lassen sich nur über die Haltedauer vergleichen. Über fünf Jahre gerechnet, ohne Installationskosten und Preissteigerungen: evcc liegt bei rund 100 bis 150 Euro, clever-PV bei rund 290 Euro, enyo bei 599 Euro, E.ON Home bei rund 800 Euro, Solar Manager bei rund 875 bis 970 Euro und Heartbeat bei rund 1.500 Euro. Bei SpotMyEnergy ist die Steuerung in Messstellenbetrieb und Tarif eingepreist, Kiwigrid hat keinen Endkundenpreis.
Die Spanne zeigt vor allem eines: Reine Software- und Cloud-Lösungen sind in der Anschaffung günstiger, Systeme mit eigener Hardware liegen darüber, und Abo-Modelle überholen einmalige Anschaffungen mit zunehmender Laufzeit.
Soll die Steuerung ohne Internet funktionieren? Cloud-Systeme sind schnell eingerichtet, hängen aber an der Verbindung und an fremden Servern; ändert ein Hersteller seine Schnittstelle oder fällt ein Dienst aus, ist die Optimierung betroffen. Bei clever-PV, Heartbeat und SpotMyEnergy ist der Cloud-Betrieb konzeptionell vorgesehen. Uneingeschränkt lokal arbeiten enyo und evcc.
Wie tief sollen Wärmepumpe und Speicher eingebunden sein? Reicht das Anstoßen per SG-Ready-Kontakt, oder soll die Wärmepumpe dem tatsächlichen Überschuss folgen und der Speicher vorausschauend bewirtschaftet werden? Diese Frage sortiert das Feld anders als der Preis - und sie hat den größeren wirtschaftlichen Hebel.
Wie viel Eigenleistung ist realistisch? Open Source bietet maximale Freiheit zum Nulltarif und verlangt dafür Einarbeitung, Wartung und Sicherheitsverantwortung. Betreute Systeme laufen über den Installateur, Plug-and-Play-Systeme richtet man selbst ein. Was in fünf Jahren noch realistisch ist, gehört in die Entscheidung.
Was ein Energiemanagement grundsätzlich leistet, erklärt der Beitrag Was ist ein HEMS?. Die Energiemanager der Gerätehersteller - etwa von SMA, Huawei oder Fronius - behandeln wir separat im Vergleich der Hersteller-Energiemanager; die Frage nach Komplettpaket oder Unabhängigkeit im Beitrag Stromtarif und HEMS. Welche Geräte mit enyo zusammenspielen, zeigt die Kompatibilitäts-Übersicht.
Inhalt
- Die acht Systeme im Überblick
- Was die Systeme tatsächlich steuern
- Die acht Systeme im Detail
- Was die Systeme über fünf Jahre kosten
- Drei Fragen, die die Auswahl entscheiden
Häufige Fragen
Welches Energiemanagement-System ist das richtige?
Das hängt von drei Dingen ab: ob die Steuerung ohne Internet laufen soll, wie tief Wärmepumpe und Speicher eingebunden werden sollen, und wie viel Eigenleistung realistisch ist. Die Systeme bedienen unterschiedliche Bedürfnisse und sind nur begrenzt direkt vergleichbar.
Was kostet ein HEMS über fünf Jahre?
Zwischen rund 100 Euro (Open Source mit eigener Hardware) und rund 1.500 Euro (Box mit monatlichem Abo). Systeme mit einmaligem Kaufpreis liegen dazwischen; Abo-Modelle überholen sie mit zunehmender Laufzeit.
Erfüllen alle Systeme §14a EnWG?
Nein. clever-PV empfiehlt im eigenen Leitfaden die Direktansteuerung durch den Netzbetreiber statt der Steuerung über ein EMS, und evcc benötigt dafür eine zusätzliche Steuerbox. enyo, Solar Manager, Heartbeat, E.ON Home, SpotMyEnergy und Kiwigrid bilden die netzdienliche Steuerung über das System ab.
Funktioniert ein Cloud-System bei Internetausfall?
Nein. Bei clever-PV, Heartbeat und SpotMyEnergy läuft die Optimierung in der Cloud - ohne Verbindung findet keine Steuerung statt. Lokale Systeme wie enyo und evcc arbeiten im Heimnetz weiter.
Wie wichtig ist die Batteriesteuerung?
Der Speicher ist der flexibelste Baustein der Anlage. Eine einfache Logik lädt ihn bei Überschuss; eine prognosebasierte Steuerung hält Kapazität für den Nachmittag frei, lädt in günstigen Stunden aus dem Netz und entlädt in teuren. Der Unterschied macht sich über das Jahr deutlich bemerkbar.
Brauche ich für die Einrichtung einen Elektriker?
Das hängt vom System ab. Gateways für den Zählerschrank wie beim Solar Manager sowie Installationen über einen Fachbetrieb erfordern einen Elektriker. Cloud-Software, Open-Source-Lösungen und Plug-and-Play-Boxen richtet man selbst ein.
Über enyo
enyo ist ein lokales, herstellerübergreifendes Energiemanagement-System aus Köln. Der enyo connector wird im Heimnetz betrieben und verbindet Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox verschiedener Hersteller. Er kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, wird ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen und bildet die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG ab. Entwickelt in Köln, hergestellt in Deutschland.
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