Markt & Tarife · 10 min
evcc und enyo im Vergleich: Open Source oder fertiges Gerät?
Beide Systeme laufen lokal - das übliche Cloud-Argument greift hier nicht. Der Unterschied liegt in der Betriebsform: selbst betriebene Open-Source-Software gegenüber einem fertigen Gerät mit Gewährleistung.
evcc und enyo laufen beide lokal und funktionieren ohne dauerhafte Internetverbindung. Der Unterschied liegt in der Betriebsform: evcc ist Open-Source-Software, die auf eigener Hardware selbst eingerichtet, aktualisiert und abgesichert wird; enyo ein fertiges Gerät mit Gewährleistung und Support.
Von enyo Redaktion · Veröffentlicht am 2026-08-01
Das Wichtigste auf einen Blick
- evcc läuft auf eigener Hardware, meist einem Raspberry Pi, vollständig lokal ohne Cloud und ist unter MIT-Lizenz kostenlos.
- Für viele kommerzielle Geräteschnittstellen wird ein Sponsor-Token benötigt: rund 2 bis 4 US-Dollar monatlich oder etwa 100 bis 150 Euro einmalig.
- Es gibt keine Gewährleistung, keinen Support-Anspruch und keine zugesicherte Verfügbarkeit - Einrichtung und Sicherheitsupdates liegen beim Nutzer.
- Die Wärmepumpe wird über geschaltete Relais am SG-Ready-Eingang angesteuert, für §14a EnWG ist eine zusätzliche Steuerbox nötig.
- enyo bindet Wärmepumpen über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus ein und kostet 599 Euro einmalig ohne Abo.
Bei der Herstellerbreite sind beide breit aufgestellt: enyo bindet herstellerübergreifend alle gängigen Marken ein, evcc arbeitet mit einem offenen Template-System ohne feste Herstellerzahl. Bei den Kosten liegt evcc deutlich vorn - die Software selbst ist kostenlos.
evcc ist ein Open-Source-Projekt. Einrichtung, Updates, Sicherheitsaktualisierungen und der Betrieb der Hardware liegen beim Nutzer. Es gibt keine Gewährleistung, keinen Support-Anspruch und keine zugesicherte Verfügbarkeit - das ist keine Kritik, sondern die Natur eines Projekts, das von einer Community getragen wird.
Seit Version 0.300 lässt sich evcc im Browser konfigurieren. Wer die Software betreibt, bleibt dennoch für Aktualisierung, Absicherung und die eigene Hardware verantwortlich.
enyo ist ein fertiges Gerät mit Gewährleistung, Updates über den Hersteller und Support. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Ansätzen: nicht offen gegen geschlossen, sondern selbst betrieben gegen betreut.
Vorweg, weil es oft durcheinandergeht: Die Vorgabe des Netzbetreibers kommt in jedem Fall über eine Einrichtung an seiner Seite ins Haus - eine Steuerbox beziehungsweise ein Modul am Smart-Meter-Gateway. Das gilt für jedes Energiemanagement, auch für enyo. Der Unterschied liegt nicht darin, ob diese Einrichtung nötig ist, sondern darin, was danach passiert.
Beim Weg über ein Energiemanagementsystem übermittelt der Netzbetreiber eine Summengrenze für alle steuerbaren Geräte, und das System entscheidet selbst, wie es sie auf Wärmepumpe, Wallbox und Speicher verteilt. Genau diese Verteilung bildet enyo ab.
evcc kann das Signal entgegennehmen und über EEBus mit der Steuerbox kommunizieren; die Verteilung einer Summengrenze auf mehrere Geräte ist dabei aber nur eingeschränkt abgedeckt und hängt stark von der eigenen Konfiguration ab. Ein fest eingestelltes Leistungslimit ersetzt das nicht, weil die Information fehlt, wann tatsächlich gedimmt werden muss. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag §14a EnWG einfach erklärt.
In evcc läuft die Wärmepumpensteuerung typischerweise über geschaltete Relais am SG-Ready-Eingang. Die Wärmepumpe bekommt damit ein Signal - etwa für den verstärkten Betrieb - und entscheidet anhand ihres Betriebszustands selbst, ob und wie weit sie ihm folgt. Die Verkabelung und die passende Logik hängen vom Gerät ab und sollten mit dem Installateur abgestimmt werden.
enyo bindet Wärmepumpen über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus ein, sofern das jeweilige Gerät sie anbietet. Dadurch kann das System eine Leistungsvorgabe statt nur eines Schaltsignals senden. Was das im Alltag ausmacht, steht im Beitrag Direktsteuerung oder Energiemanagement.
evcc wird seit 2020 als Open-Source-Projekt unter MIT-Lizenz entwickelt und hat eine große, aktive Community. Die Software läuft auf eigener Hardware - meist einem Raspberry Pi, alternativ per Docker oder als Home-Assistant-Add-on - vollständig lokal und ohne Cloud. Der Quellcode ist einsehbar und veränderbar, die API offen, die Datensouveränität vollständig.
Funktional deckt evcc PV-Überschussladen, dynamische Tarifoptimierung, Gerätepriorisierung, Ladeplanung, PV-Prognose und Wärmepumpensteuerung ab; angebunden wird über Modbus TCP, HTTP-REST, OCPP 1.6J und MQTT. Das Template-System deckt sehr viele Geräte ab. Die Software ist kostenlos; für viele kommerzielle Geräteschnittstellen wird ein Sponsor-Token benötigt, der das Projekt finanziert - rund 2 bis 4 US-Dollar monatlich oder etwa 100 bis 150 einmalig.
Für technisch versierte Nutzer, die sich einarbeiten und ihr System selbst betreuen wollen, ist das ein sehr weitreichendes Werkzeug - und der Ursprung im PV-Überschussladen des E-Autos ist bis heute die am besten ausgebaute Disziplin.
enyo ist ein fertiges Gerät mit Gewährleistung, Herstellerupdates und Support - das ist gegenüber einem selbst betriebenen System der zentrale Unterschied. Die Box läuft lokal im Heimnetz, bindet herstellerübergreifend alle gängigen Marken ein und spricht die Geräte über die jeweils beste verfügbare Schnittstelle an: lokal, wo der Hersteller eine anbietet, und über dessen Cloud dort, wo es keine lokale Anbindung gibt. Einrichtung, Updates und Absicherung liegen beim Hersteller, nicht bei dir.
Bei Wärmepumpen sind die gängigen Marken direkt eingebunden, der Batteriespeicher wird prognose- und preisbasiert bewirtschaftet, und die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG läuft über das System selbst. Die Box kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, ist auf Inbetriebnahme ohne Elektriker ausgelegt und über ein SDK durch Dritte erweiterbar; es gibt 60 Tage Geld-zurück-Garantie und Support. Welche Geräte konkret zusammenspielen, zeigt die Kompatibilitäts-Übersicht.
Ein Wechsel ist unkompliziert: Es gibt kein Abo zu kündigen und keine Datenbindung. Die eingesetzte Hardware - Einplatinenrechner, Energiezähler, Relais - bleibt in vielen Fällen anderweitig verwendbar.
Ein Parallelbetrieb an denselben Geräten führt zu konkurrierenden Steuerbefehlen und ist nicht sinnvoll. evcc nebenher als Monitoring laufen zu lassen, ist dagegen unproblematisch.
Einen Überblick über alle acht Systeme im Markt - inklusive Kosten über fünf Jahre und Steuerungsfähigkeiten - gibt unser HEMS-Vergleich 2026. Direktvergleiche mit weiteren Systemen gibt es zu 1KOMMA5° Heartbeat und E.ON Home.
Inhalt
- Die beiden Systeme im direkten Vergleich
- Die drei entscheidenden Unterschiede
- 1. Eigenleistung und Gewährleistung
- 2. Die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG
- 3. Wie die Wärmepumpe angesteuert wird
- Wofür evcc gebaut ist
- Wofür enyo gebaut ist
- Wechsel oder Parallelbetrieb
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich evcc und enyo am deutlichsten?
In der Betriebsform, nicht in der Frage lokal oder Cloud - beide laufen lokal. evcc ist Open-Source-Software, die auf eigener Hardware selbst betrieben, aktualisiert und abgesichert wird. enyo ist ein fertiges Gerät mit Gewährleistung, Herstellerupdates und Support.
Funktioniert evcc ohne Internetverbindung?
Ja. evcc läuft vollständig lokal auf eigener Hardware und benötigt keine Cloud-Anbindung. Funktionen, die auf externe Daten angewiesen sind - etwa dynamische Tarifpreise oder Prognosen - brauchen dafür naturgemäß eine Verbindung.
Welches System bindet die Wärmepumpe tiefer ein?
In evcc läuft die Ansteuerung typischerweise über geschaltete Relais am SG-Ready-Eingang, also über ein Schaltsignal. enyo bindet die gängigen Wärmepumpen-Marken direkt ein und sendet über digitale Schnittstellen eine Leistungsvorgabe, wo das Gerät das unterstützt.
Was kosten evcc und enyo über fünf Jahre?
Bei evcc sind es rund 100 bis 150 Euro für den Sponsor-Token, den viele Geräteschnittstellen voraussetzen; die Software selbst ist kostenlos. Dazu kommt die eigene Hardware - Einplatinenrechner und Messtechnik, je nach Aufbau ein niedriger dreistelliger Betrag. enyo kostet 599 Euro einmalig. Beim reinen Preis liegt evcc klar vorn; nicht enthalten ist der eigene Zeitaufwand für Einrichtung und Wartung.
Kann ich von evcc zu enyo wechseln - oder beides parallel nutzen?
Ein Wechsel ist ohne Kündigung oder Datenexport möglich, die vorhandene Hardware bleibt oft weiterverwendbar. Parallel steuern sollten beide Systeme dieselben Geräte nicht, weil sich die Befehle widersprechen; als Monitoring nebenher ist evcc unproblematisch.
Über enyo
enyo ist ein lokales, herstellerübergreifendes Energiemanagement-System aus Köln. Der enyo connector wird im Heimnetz betrieben und verbindet Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox verschiedener Hersteller. Er kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, wird ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen und bildet die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG ab. Entwickelt in Köln, hergestellt in Deutschland.
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