Markt & Tarife · 10 min
clever-PV und enyo im Vergleich: Cloud-App oder lokale Box?
clever-PV steuert ohne eigene Hardware über die Cloud-Schnittstellen der Gerätehersteller. Was das für Wärmepumpe, §14a EnWG und den Betrieb ohne Internet bedeutet - und wo die Unterschiede zu einer lokalen Box liegen.
clever-PV ist eine reine Cloud-App ohne eigene Hardware und mit kostenlosem Einstiegstarif; enyo eine lokale Box mit einmaligem Kaufpreis. Praktisch unterscheiden sich die beiden in drei Punkten: ob die Steuerung ohne Internet weiterläuft, wie tief die Wärmepumpe eingebunden wird und ob die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG über das System selbst läuft.
Von enyo Redaktion · Veröffentlicht am 2026-08-01
Das Wichtigste auf einen Blick
- clever-PV bindet fünf Wärmepumpen-Marken direkt per Hersteller-Cloud ein, alle anderen nur über SG Ready mit einem WLAN-Schalter.
- Eine netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG ist bei clever-PV laut Anbieter nicht vorgesehen - empfohlen wird die Direktansteuerung durch den Netzbetreiber.
- Der Einstiegstarif ist dauerhaft kostenlos, die automatische Steuerung kostet 72 Euro im Jahr - über fünf Jahre rund 360 Euro.
- enyo bindet Wärmepumpen über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus ein und kostet 599 Euro einmalig; ab etwa dem achten Jahr kehrt sich der Kostenvorteil um.
clever-PV spricht Geräte ausschließlich über die Cloud-Schnittstellen ihrer Hersteller an. Das ermöglicht einen schnellen Start ohne zusätzliche Hardware, setzt aber dauerhaft Internet, eine funktionierende Hersteller-Cloud und eine offene Schnittstelle voraus.
enyo spricht Geräte im Heimnetz direkt an, sofern eine lokale Schnittstelle verfügbar ist. Nur wenn ein Hersteller keinen lokalen Zugang anbietet, nutzt auch enyo dessen Cloud. Für lokal eingebundene Geräte läuft die Steuerung bei einem Internetausfall weiter.
Direkt angebunden sind bei clever-PV fünf Wärmepumpen-Marken: Bosch, Buderus, Vaillant, Viessmann und Solvis - jeweils über die Cloud des Herstellers. Alle anderen Fabrikate werden über den SG-Ready-Kontakt angesteuert, in der Praxis mit einem WLAN-Schalter.
Der Unterschied dahinter ist der zwischen einem Schaltsignal und einer Leistungsvorgabe. Über SG Ready bekommt die Wärmepumpe die Information „Überschuss vorhanden" und entscheidet selbst, was sie damit macht. Über eine digitale Schnittstelle wie EEBus oder Modbus lässt sich ihr stattdessen sagen, mit welcher Leistung sie laufen soll.
Bei enyo sind die gängigen Wärmepumpen-Marken direkt eingebunden: Bosch, Buderus, Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron, Tecalor, NIBE, Daikin, Samsung, Lambda, Zewotherm, Solvis und Elco. Wo diese Geräte eine digitale Schnittstelle mitbringen, wird die Leistung vorgegeben statt nur geschaltet. Warum das im Alltag einen Unterschied macht, steht im Beitrag Direktsteuerung oder Energiemanagement.
Seit 2024 müssen neue steuerbare Verbrauchseinrichtungen über 4,2 kW dem Netzbetreiber eine Leistungsreduzierung ermöglichen. Die Vorgabe kommt dabei immer über eine Einrichtung des Netzbetreibers ins Haus - eine Steuerbox oder ein Modul am Smart-Meter-Gateway. Von dort gibt es zwei Wege: Der Netzbetreiber steuert jedes Gerät direkt an, oder er übermittelt eine Summengrenze an ein Energiemanagementsystem, das sie auf die Geräte verteilt.
clever-PV empfiehlt in seinem eigenen §14a-Leitfaden ausdrücklich die Direktansteuerung durch den Netzbetreiber und begründet das mit geringeren Kosten und garantierter Funktion. Das Unternehmen positioniert sich damit als Optimierungsschicht oberhalb der Netzsteuerung, nicht als §14a-Energiemanagement am Netzanschlusspunkt. Zeitvariable Netzentgelte nach Modul 3 werden unterstützt, die netzdienliche Leistungsbegrenzung selbst nicht.
enyo bildet den EMS-Weg ab: Die Summengrenze wird entgegengenommen und auf Wärmepumpe, Wallbox und Speicher verteilt. Die Grundlagen dazu stehen im Beitrag §14a EnWG einfach erklärt.
clever-PV ist auf einen schnellen Einstieg ohne eigene Hardware ausgelegt. Der kostenlose Tarif umfasst unter anderem Geräteeinbindung, Monitoring und manuelle Steuerung. Die automatische Optimierung nach Photovoltaik-Überschuss und dynamischen Tarifen ist kostenpflichtig. Besonders naheliegend ist der Ansatz bei Bestandsanlagen, deren Geräte bereits mit den Hersteller-Clouds verbunden sind.
enyo ist eine lokale Box, die im Heimnetz betrieben wird. Sie bindet herstellerübergreifend alle gängigen Marken ein und spricht die Geräte über die jeweils beste verfügbare Schnittstelle an - lokal, wo der Hersteller eine anbietet, und über dessen Cloud dort, wo es keine lokale Anbindung gibt. Für lokal eingebundene Geräte läuft die Steuerung auch ohne Internetverbindung weiter.
Bei Wärmepumpen sind die gängigen Marken direkt eingebunden, angesteuert über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus statt über den SG-Ready-Kontakt, wo das Gerät das zulässt.
Der Batteriespeicher wird prognose- und preisbasiert bewirtschaftet: Kapazität für den Nachmittag freihalten, in günstigen Stunden laden, in teuren entladen. Die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG wird über das System abgebildet, ebenso §9 EEG. Die Box kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, ist auf Inbetriebnahme ohne Elektriker ausgelegt und über ein SDK durch Dritte erweiterbar; es gibt 60 Tage Geld-zurück-Garantie.
Das System ist damit auf Anlagen ausgelegt, in denen Geräte verschiedener Hersteller zusammenarbeiten sollen, ohne dass die Steuerung von externen Diensten abhängt. Welche Geräte konkret zusammenspielen, zeigt die Kompatibilitäts-Übersicht.
Ein Wechsel von clever-PV ist unkompliziert: Es gibt keine Hardware auszubauen und keinen Rückbau. Zu beachten ist der Abschlussweg des Abos - je nachdem, ob es über den App Store, den Play Store oder die Website gebucht wurde, läuft die Kündigung dort und nicht beim Anbieter selbst.
Ein Parallelbetrieb ist möglich, solange clever-PV nur zum Monitoring genutzt wird. Sobald beide Systeme dieselben Geräte aktiv steuern, entstehen konkurrierende Steuerbefehle - dann sollte eine Instanz die Führung übernehmen.
Einen Überblick über alle acht Systeme im Markt - inklusive Kosten über fünf Jahre und Steuerungsfähigkeiten - gibt unser HEMS-Vergleich 2026. Direktvergleiche mit weiteren Systemen gibt es zu Solar Manager und evcc.
Inhalt
- Die beiden Systeme im direkten Vergleich
- Die drei entscheidenden Unterschiede
- 1. Cloud-to-Cloud oder lokal
- 2. Wie tief die Wärmepumpe eingebunden wird
- 3. Die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG
- Wofür clever-PV gebaut ist
- Wofür enyo gebaut ist
- Wechsel oder Parallelbetrieb
Häufige Fragen
Worin unterscheiden sich clever-PV und enyo am deutlichsten?
In der Betriebsform. Bei clever-PV läuft die Steuerung ausschließlich über die Clouds der Gerätehersteller und benötigt dauerhaft eine Internetverbindung. enyo steuert lokal im Heimnetz, wo der Hersteller eine lokale Schnittstelle anbietet, und nutzt die Cloud nur, wo es keine gibt. Daraus ergeben sich die weiteren Unterschiede bei Wärmepumpen-Tiefe und §14a-Steuerung.
Funktioniert clever-PV ohne Internetverbindung?
Nein. Die Optimierung läuft vollständig in der Cloud, und die Geräte werden über die Backends ihrer Hersteller angesprochen. Ohne Internetverbindung findet keine Steuerung statt.
Welches System bindet die Wärmepumpe tiefer ein?
clever-PV bindet fünf Marken direkt über die Hersteller-Cloud ein, alle weiteren über den SG-Ready-Kontakt mit einem WLAN-Schalter. Bei enyo sind die gängigen Marken direkt eingebunden - unter anderem Bosch, Buderus, Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron, NIBE, Daikin und Lambda -, angesteuert über digitale Schnittstellen wie EEBus oder Modbus. Damit lässt sich eine Leistungsvorgabe senden statt nur ein Schaltsignal.
Was kosten clever-PV und enyo über fünf Jahre?
Bei clever-PV sind es rund 360 Euro, wenn man den Listenpreis von 72 Euro im Jahr für die Vollfunktion ansetzt - über Händler und Mehrjahresabos liegt der Preis teils darunter, mit dem kostenlosen Einstiegstarif bei null. enyo kostet 599 Euro einmalig ohne laufende Kosten. Über fünf Jahre ist clever-PV damit günstiger; etwa ab dem achten Jahr kehrt sich das Verhältnis um.
Erfüllt clever-PV die Anforderungen nach §14a EnWG?
clever-PV empfiehlt im eigenen Leitfaden die Direktansteuerung durch den Netzbetreiber statt der Steuerung über ein Energiemanagementsystem. Zeitvariable Netzentgelte nach Modul 3 werden unterstützt, die netzdienliche Leistungsbegrenzung läuft aber nicht über das System.
Über enyo
enyo ist ein lokales, herstellerübergreifendes Energiemanagement-System aus Köln. Der enyo connector wird im Heimnetz betrieben und verbindet Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox verschiedener Hersteller. Er kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, wird ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen und bildet die netzdienliche Steuerung nach §14a EnWG ab. Entwickelt in Köln, hergestellt in Deutschland.
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