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Energiemanager ohne Cloud: Welche Anbieter es 2026 wirklich gibt
Wer PV, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe lokal im Haus steuern will, hat eine überschaubare Auswahl. Dieser Überblick sortiert sie nach Aufwand, Kosten und Offenheit.
Nicht jedes Energiemanagement braucht eine Internetverbindung, um zu funktionieren. Dieser Überblick zeigt, welche Systeme 2026 lokal steuern, was sie kosten und wie viel technisches Wissen sie voraussetzen.
Von Noah Schonnebeck · Gründer & Strategie · Veröffentlicht am 2026-08-12
Die kurze Antwort: Fünf Systeme steuern 2026 lokal im Haus: enyo (599 Euro, fertiges Gerät zum Einstecken), evcc (Open Source, kostenlos, eigene Hardware nötig), Home Assistant (Open Source, kostenlos, sehr aufwendig), openWB (Fokus Wallbox, ab rund 500 Euro) und der SMA Sunny Home Manager (rund 500 Euro, stark im SMA-Ökosystem). Kostenlos und offen bedeutet in der Praxis: mehr eigene Arbeit. Fertig und ohne Vorwissen bedeutet: einmalige Anschaffung.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Lokal steuern bedeutet: Die Steuerlogik läuft auf einem Gerät im Haus, nicht auf einem Server im Internet.
- Fünf Systeme sind 2026 relevant: enyo, evcc, Home Assistant, openWB und der SMA Sunny Home Manager.
- evcc und Home Assistant sind kostenlos oder sehr günstig, verlangen aber Einarbeitung und eigene Hardware.
- enyo kostet einmalig 599 Euro, wird eingesteckt und eingerichtet und braucht kein technisches Vorwissen.
- Auch lokale Systeme nutzen das Internet für Updates, App-Zugriff von unterwegs und dynamische Strompreise - der Unterschied ist, dass die Steuerung ohne Internet weiterläuft.
Was "ohne Cloud" wirklich bedeutet
Der Begriff wird sehr unterschiedlich benutzt. Sauber getrennt gibt es drei Ebenen, und nur die erste entscheidet darüber, ob dein Haus bei einem Internetausfall weiter sinnvoll arbeitet:
- Die Steuerung - wer entscheidet, wann die Wärmepumpe läuft und das Auto lädt? Läuft diese Logik auf einem Gerät bei dir im Haus, arbeitet dein System auch ohne Internet weiter.
- Die Bedienung - wenn du von unterwegs auf dein System schauen willst, braucht es einen Weg über das Internet. Das ist bei praktisch allen Systemen so, auch bei lokalen.
- Die Zusatzdaten - dynamische Strompreise und Wetterprognosen kommen immer von außen. Ohne Internet fehlen sie, die Grundsteuerung nach Solarstrom läuft trotzdem.
Ein reines Cloud-System verliert bei einem Internetausfall alle drei Ebenen gleichzeitig: Es kann dann weder entscheiden noch schalten. Ein lokales System verliert nur die Bedienung von unterwegs und die Zusatzdaten. Genau das ist der praktische Unterschied - nicht die Frage, ob überhaupt ein Datenpaket das Haus verlässt.
Die Anbieter im Überblick
Sieben Systeme sind 2026 im deutschsprachigen Raum ernsthaft relevant, wenn die Steuerung im Haus bleiben soll. Die Tabelle sortiert sie nach dem, was in der Praxis den Unterschied macht: Preis, Aufwand und ob Geräte verschiedener Marken zusammenarbeiten.
| System | Typ | Kosten | Aufwand | Herstellerübergreifend |
|---|---|---|---|---|
| enyo | Fertiges Gerät | 599 Euro einmalig | Einstecken und einrichten, kein Vorwissen nötig | Ja, Geräte verschiedener Marken |
| evcc | Open-Source-Software | Kostenlos, eigene Hardware nötig | Konfiguration über Textdatei, Einarbeitung nötig | Ja, sehr breite Geräteliste |
| Home Assistant | Open-Source-Plattform | Kostenlos, eigene Hardware nötig | Hoch, Energiemanagement muss selbst gebaut werden | Ja, über Erweiterungen |
| openWB | Wallbox mit Steuerung | ab rund 500 Euro | Mittel, Installation durch Fachbetrieb üblich | Teilweise, Schwerpunkt Ladeseite |
| SMA Sunny Home Manager | Gateway im Zählerschrank | rund 500 Euro | Mittel, Einbau durch Elektrofachkraft | Eingeschränkt, stark auf SMA ausgerichtet |
| Solar Manager | Gerät plus Abo | Gerät plus laufende Gebühr | Mittel, Einrichtung meist über Fachbetrieb | Ja, breite Geräteliste |
| Loxone | Gebäudeautomation | Vierstellig, je nach Ausbau | Hoch, Planung und Programmierung durch Partner | Ja, im eigenen System |
Preise sind Richtwerte aus August 2026 und können je nach Anbieter und Ausführung abweichen. Eine ausführliche Gegenüberstellung findest du im großen HEMS-Vergleich.
Die Systeme im Detail
evcc ist die bekannteste lokale Lösung im deutschsprachigen Raum und kommt aus der Open-Source-Welt. Die Software ist kostenlos, läuft auf einem kleinen Rechner im Haus und deckt vor allem das Laden mit Solarstrom sehr gut ab. Die Kehrseite: Du brauchst eigene Hardware, konfigurierst über eine Textdatei und bist bei Problemen auf Foren und die Community angewiesen. Wer daran Spaß hat, bekommt dafür sehr viel Freiheit. Mehr dazu im Vergleich enyo und evcc.
Home Assistant ist keine Energiemanagement-Software, sondern eine Smart-Home-Plattform, mit der man auch Energiemanagement bauen kann. Das ist ein wichtiger Unterschied: Die Automatisierungen, die entscheiden, wann die Wärmepumpe läuft, schreibst du selbst. Der Funktionsumfang ist praktisch unbegrenzt, der Zeitaufwand ebenfalls.
openWB ist im Kern eine Wallbox, die eine Steuerung mitbringt. Für das Laden mit Solarstrom ist das eine ausgereifte Lösung, und auch weitere Verbraucher lassen sich einbinden. Wer sein Ladeproblem lösen will, ist gut bedient. Wer Wärmepumpe, Speicher und Klimaanlage gleichrangig steuern will, merkt, dass der Schwerpunkt woanders liegt.
Der SMA Sunny Home Manager sitzt im Zählerschrank und wird von einer Elektrofachkraft eingebaut. Innerhalb der SMA-Welt funktioniert das Zusammenspiel sehr gut. Sobald Wechselrichter, Speicher und Wärmepumpe von unterschiedlichen Herstellern kommen, wird es schnell dünn - siehe Sunny Home Manager Alternative.
enyo ist der Versuch, die lokale Steuerung ohne Bastelaufwand nutzbar zu machen: ein Gerät, das du auspackst, einsteckst und über eine App einrichtest. Die Steuerlogik läuft im Haus. Zusätzlich lassen sich Erweiterungen anderer Anbieter nachinstallieren, wenn ein Gerät eine besondere Anbindung braucht. Welche Geräte unterstützt werden, steht in der Liste der kompatiblen Geräte.
Solar Manager kommt aus der Schweiz und steuert ebenfalls herstellerübergreifend. Das Gerät ist gut gemacht, die Einrichtung läuft in der Regel über einen Fachbetrieb. Der Unterschied zu enyo liegt im Preismodell: Neben dem Gerät fällt eine laufende Gebühr an. Was das über mehrere Jahre ausmacht, rechnen wir im Beitrag Was ein HEMS wirklich kostet durch.
Loxone ist streng genommen kein Energiemanager, sondern eine komplette Gebäudeautomation: Licht, Beschattung, Heizung und Energie aus einer Hand. Für einen Neubau mit Planung durch einen Partnerbetrieb ist das eine starke Lösung. Für ein bestehendes Haus, in dem nur Solarstrom, Wärmepumpe und Wallbox zusammenarbeiten sollen, ist es deutlich mehr, als nötig wäre - und deutlich teurer.
Woran du erkennst, dass ein System lokal steuert
Auf Herstellerseiten steht oft "lokal", ohne dass klar wird, was damit gemeint ist. Mit vier Fragen bekommst du Klarheit - sie lassen sich vor dem Kauf per E-Mail an den Anbieter stellen:
- Läuft die Optimierung weiter, wenn ich das Internet abziehe? Wenn die Antwort ein klares Ja ist, fällt die Entscheidung im Haus.
- Wo werden meine Messwerte gespeichert? Auf dem Gerät bei mir oder dauerhaft beim Anbieter?
- Wie kommuniziert das Gerät mit Wechselrichter und Wärmepumpe? Direkt im Heimnetz oder über den Server des jeweiligen Herstellers?
- Was passiert, wenn der Anbieter den Dienst einstellt? Bei lokaler Steuerung bleibt das Gerät nutzbar, bei reiner Cloud wird es zur Briefbeschwerung.
Der erste Punkt ist der wichtigste und lässt sich sogar selbst testen: Netzwerkstecker am Router ziehen und schauen, ob die Wallbox weiter mit Solarstrom lädt. Systeme, die vollständig auf einer Cloud aufbauen, fallen dabei sofort auf.
Was die Systeme über fünf Jahre kosten
Der Anschaffungspreis allein sagt wenig. Entscheidend ist, was nach fünf Jahren auf dem Konto fehlt - inklusive Zusatzhardware und laufender Gebühren. Bei Open Source kommt außerdem ein Posten dazu, der auf keiner Rechnung steht: deine Zeit.
| System | Anschaffung | Laufend pro Jahr | Nach 5 Jahren |
|---|---|---|---|
| enyo | 599 Euro | 0 Euro | 599 Euro |
| evcc | 0 Euro plus rund 80 Euro Hardware | 0 Euro plus Strom für den Kleinrechner | rund 100 Euro plus Eigenarbeit |
| Home Assistant | 0 Euro plus rund 80 Euro Hardware | 0 Euro plus Strom für den Kleinrechner | rund 100 Euro plus deutlich mehr Eigenarbeit |
| Solar Manager | Gerät | laufende Gebühr | spürbar über 599 Euro |
| SMA Sunny Home Manager | rund 500 Euro | 0 Euro | rund 500 Euro plus Einbau |
Richtwerte, Stand August 2026. Die vollständige Rechnung inklusive Installationskosten steht im Beitrag HEMS-Kosten im Überblick.
Welches System passt zu wem?
| Deine Situation | Passendes System |
|---|---|
| Du programmierst gerne und hast Zeit | Home Assistant oder evcc |
| Nur das E-Auto soll Solarstrom laden | evcc oder openWB |
| Alle Komponenten sind von SMA | SMA Sunny Home Manager |
| Geräte verschiedener Marken, kein technisches Vorwissen | enyo |
| Wärmepumpe soll mitgesteuert werden | enyo, mit Abstrichen evcc |
Ein aktuelles Beispiel, warum die Unabhängigkeit vom Hersteller zählt: das Ende der SENEC.Cloud.
Warum die Abhängigkeit von einer einzelnen Anbieter-Cloud ein Risiko ist, zeigt aktuell die EKD-Insolvenz und die Frage nach der Ampere.IQ-App.
Fazit
Unser Fazit: Wer Zeit und Lust auf Technik mitbringt, kommt mit evcc oder Home Assistant weit und zahlt fast nichts. Wer ein Gerät will, das nach einer knappen halben Stunde läuft und auch die Wärmepumpe mitnimmt, zahlt einmalig 599 Euro für enyo. Beides ist eine legitime Entscheidung - es ist eine Frage von Zeit gegen Geld, nicht von gut gegen schlecht.
Zum Weiterlesen: Der direkte Vergleich steht in enyo, evcc oder Home Assistant, die Datenschutzfragen beantwortet Ist ein Energiemanager ohne Cloud sicher? und für den größten Verbraucher im Haus lohnt sich Wärmepumpe lokal steuern. Was enyo kostet und was im Paket enthalten ist, steht auf der Preisseite.
Auch openWB regelt lokal ohne Cloudzwang, worin sich das Konzept von enyo unterscheidet, zeigt der Vergleich openWB und enyo.
Häufige Fragen
Was ist ein Energiemanager ohne Cloud?
Ein Energiemanager ohne Cloud trifft die Steuerentscheidungen auf einem Gerät bei dir im Haus. Fällt das Internet aus, laufen die lokal eingebundenen Geräte weiter. Bei einem reinen Cloud-System steht die Steuerung dagegen still.
Welche Energiemanager arbeiten lokal?
2026 sind fünf Systeme relevant: enyo, evcc, Home Assistant, openWB und der SMA Sunny Home Manager. enyo ist ein fertiges Gerät für 599 Euro, evcc und Home Assistant sind kostenlose Open-Source-Software mit entsprechendem Einrichtungsaufwand.
Braucht ein lokaler Energiemanager gar kein Internet?
Für die Steuerung nicht. Für Updates, den Zugriff von unterwegs und dynamische Strompreise wird eine Internetverbindung genutzt. Ohne Internet läuft die Grundsteuerung nach Solarstrom weiter.
Ist evcc eine Alternative zu enyo?
Für das Laden des E-Autos mit Solarstrom ja. Der Unterschied liegt im Aufwand: evcc verlangt eigene Hardware und Konfiguration, enyo kommt als fertiges Gerät und deckt zusätzlich Wärmepumpe und Klimaanlage breiter ab.