Technik · 8 min

IDM Wärmepumpe mit Wechselrichter & PV kombinieren: NAVIGATOR 2.0 & echte Überschuss-Modulation

Warum die IDM mit der NAVIGATOR-Regelung 2.0 zu den offensten Wärmepumpen gehört - und welche Rolle das Energiemanagement dabei spielt.

Die IDM gehört mit der NAVIGATOR-Regelung 2.0 zu den offensten Wärmepumpen: Sie kann den PV-Überschuss nicht nur als grobe Freigabe, sondern als variablen Leistungswert verarbeiten - braucht dafür aber jemanden, der den Überschuss sauber liefert.

Von Noah Schonnebeck · Veröffentlicht am 2026-06-12

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die NAVIGATOR-Regelung 2.0 kann den PV-Überschuss über Modbus TCP als variablen Wert entgegennehmen, ältere Anlagen mit NAVIGATOR 1.7 sind eingeschränkter.
  • Neben Modbus TCP gibt es 0-10-V- und S0-Signale (proportional) sowie einen einfachen Schwellwert-Kontakt (SG-Ready-artig, auch relevant für §14a).
  • Mit „myiDM+ energy" bietet IDM eine eigene Strommanagement-Strategie mit Lastverschiebung nach dynamischem Stromtarif in Kooperation mit aWATTar.
  • myiDM+ energy optimiert nur die Wärmepumpe für sich und sieht nicht das Gesamtsystem aus PV, Hausakku, Wallbox und Wärmepumpe.
  • Ohne übergeordnete Priorisierung (Wärmepumpe vor Akku vor Auto) kann ein Hausakku den Überschuss wegziehen, bevor die Wärmepumpe ihn nutzt.

IDM (aus Matrei in Osttirol) hat sich mit der NAVIGATOR-Regelung früh und konsequent auf das Thema Photovoltaik eingestellt. Anders als bei vielen Wärmepumpen, bei denen die PV-Kopplung beim groben SG-Ready-Signal endet, kann die IDM mit dem übermittelten Überschuss tatsächlich etwas anfangen: Sie hebt gezielt die Temperaturen in Warmwasser- und Wärmespeicher an, richtet ihren Betrieb am verfügbaren Strom aus und erreicht so - bei passender Dimensionierung von Wärmepumpe, Speicher und PV-Anlage - einen hohen Eigenverbrauchsanteil. Die eigentliche Frage bei IDM lautet deshalb nicht „geht das überhaupt", sondern „wie kommt der Überschusswert sauber und zuverlässig in die Regelung".

IDM bietet eine ungewöhnlich breite Auswahl, was Fluch und Segen zugleich ist - mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Konfigurationsentscheidungen:

1. Schwellwert-Kontakt (einfach). Ein potentialfreier Kontakt gibt der Regelung „jetzt ist Überschuss da". Die IDM hebt dann ihre Sollwerte an. Funktioniert, ist aber eine grobe An/Aus-Logik wie SG Ready.

2. 0-10 V oder S0 (proportional). Über ein analoges 0-10-V-Signal oder S0-Impulse kann die PV-Leistung feiner abgebildet werden als mit einem reinen Schaltkontakt - die Wärmepumpe kann den Überschuss anteilig nutzen.

3. Modbus TCP (intelligent). Hier liegt der eigentliche Mehrwert: Der NAVIGATOR-Regelung wird über das Netzwerk der saldierte Überschuss übermittelt, und die Wärmepumpe richtet ihren Betrieb fortlaufend daran aus. Das ist die granulare, effiziente Variante - die Regelung gibt dabei umgekehrt auch ihre eigene Leistungsaufnahme zurück.

Die Kopplungswege im IDM-System

Der entscheidende Punkt ist nicht die IDM, sondern der Weg davor. Über Modbus wartet die NAVIGATOR-Regelung darauf, dass ihr der aktuelle Überschuss übergeben wird - in den Einstellungen wird dafür das PV-Signal auf „Gebäudeleittechnik" gestellt, und die Wärmepumpe nutzt dann den gelieferten Wert. Sie ermittelt ihn aber nicht bei jedem beliebigen Wechselrichter selbst. Es braucht also eine Instanz, die den Überschuss am Netzübergabepunkt misst und an die IDM schreibt: ein Smart Meter, eine Gebäudeleittechnik oder ein Energiemanagement.

In der Praxis behelfen sich Tüftler heute mit Eigenbau-Lösungen, die PV-Daten aus dem Wechselrichter und einem Strommessgerät zusammenrechnen und an die IDM weiterreichen. Das funktioniert - ist aber Bastelei mit Netzwerkkonfiguration und Skripten, an der ein Heizungsbauer ohne PV-Erfahrung schnell scheitert. Dazu kommt der zweite, oft unterschätzte Stolperstein: Wenn ein Hausakku jeden Überschuss sofort wegzieht, kommt die Wärmepumpe nie auf die nötige Leistung. Ohne übergeordnete Priorisierung (Wärmepumpe vor Akku vor Auto) verpufft das Potenzial.

IDM bietet mit „myiDM+ energy" eine eigene Strommanagement-Strategie an, die Lastverschiebung nach PV-Ertrag und dynamischem Stromtarif berücksichtigt - in Kooperation mit dem Tarifanbieter aWATTar. Das ist mehr, als viele Hersteller mitbringen. Die Grenze ist aber strukturell dieselbe wie bei allen herstellereigenen Lösungen: myiDM+ energy optimiert die Wärmepumpe für sich. Es sieht nicht das Gesamtsystem aus PV, Hausakku, Wallbox und Wärmepumpe und kann deshalb nicht entscheiden, ob der Solarstrom gerade besser ins Auto, in die Batterie oder in den Wärmespeicher fließt.

Weil die IDM über Modbus universell ansprechbar ist, läuft die Kombination grundsätzlich mit jedem Wechselrichter - entscheidend ist, wie der Überschusswert zur Regelung kommt:

Eine der am häufigsten dokumentierten Kombinationen. Der Überschuss wird am Fronius-Zähler ermittelt und an die NAVIGATOR-Regelung übergeben - oft der einfachste Einstieg. → Fronius Wechselrichter mit Wärmepumpe

Über ein SMA Energy Meter bzw. den Sunny Home Manager lässt sich der Überschuss ermitteln; die Übergabe an die IDM erfolgt dann über die passende Signalstrecke - bis hin zur proportionalen Modbus-Anbindung. → SMA Wechselrichter mit Wärmepumpe

Über den Huawei-Smart-Power-Sensor wird der Überschuss erfasst und an die NAVIGATOR-Regelung weitergegeben. Die Markenpaarung ist zweitrangig - entscheidend ist die vermittelnde Steuerung. → Huawei Wechselrichter mit Wärmepumpe

Mit einem Kostal Smart Energy Meter steht der Überschuss bereit; per Modbus oder Signal lässt er sich an die IDM übergeben. → Kostal Wechselrichter mit Wärmepumpe

Beim Sungrow-Hybrid-Wechselrichter wird der Überschuss über das Messgerät ermittelt und an die NAVIGATOR-Regelung übergeben. → Sungrow Wechselrichter mit Wärmepumpe

Funktioniert über die Erfassung des Überschusses am SolarEdge-Zähler und dessen Übergabe an die IDM, bis hin zur proportionalen Modbus-Anbindung. → SolarEdge Wechselrichter mit Wärmepumpe

Ein herstellerübergreifendes HEMS (Home Energy Management System) wie enyo übernimmt genau die Vermittlerrolle, die der IDM fehlt. Es misst den echten Überschuss aus deinem Wechselrichter - egal welche Marke -, schreibt den Wert an die NAVIGATOR-Regelung und priorisiert dabei vorausschauend zwischen Wärmepumpe, Batterie und Auto. Wetterprognose und dynamischer Strompreis fließen mit ein, sodass der Wärmespeicher auch dann gezielt vorgeladen wird, wenn der Börsenstrom gerade billig ist - und du nimmst gleichzeitig die §14a-Netzentgelt-Vorteile für steuerbare Wärmepumpen mit.

Der Punkt ist nicht, dass IDM schlecht wäre - im Gegenteil, die offene NAVIGATOR-Regelung macht die Wärmepumpe zu einem der dankbarsten Partner überhaupt. Eine zusätzliche Ebene lohnt sich, sobald du verschiedene Marken sauber zusammenspielen lassen, dynamische Tarife voll ausreizen oder die Bastelei mit der Überschuss-Übergabe vermeiden willst - in der Regel ohne Hardwaretausch.

Weitere Wärmepumpen mit PV-Wechselrichter im Vergleich: Vaillant · Viessmann · Bosch & Buderus · Stiebel Eltron & Tecalor · Lambda · NIBE. Eine Gesamtübersicht bietet die große Kompatibilitäts-Matrix.

Inhalt

  • Warum IDM unter PV-Besitzern einen so guten Ruf hat
  • Die relevanten IDM-Komponenten und Schnittstellen
  • Die Wege, IDM mit PV zu koppeln - und ihre Unterschiede
  • Der eigentliche Knackpunkt: Wer liefert den Überschuss?
  • myiDM+ energy: nah dran, aber nicht das ganze Haus
  • IDM mit den großen Wechselrichter-Herstellern
  • Fronius
  • SMA
  • Huawei
  • Kostal
  • Sungrow
  • SolarEdge
  • Wann sich eine zusätzliche Steuerungsebene lohnt
  • Häufige Fragen
KopplungswegWas die IDM damit machtGrenze
Schwellwert-KontaktSollwerte anheben bei ÜberschussGrobe An/Aus-Logik
0-10 V / S0Überschuss anteilig nutzenProportional, aber weniger verbreitet
Modbus TCPBetrieb folgt dem übermittelten ÜberschussRegelung wartet auf den Wert - jemand muss ihn liefern

Häufige Fragen

Kann eine IDM-Wärmepumpe den PV-Überschuss modulierend nutzen?

Mit der NAVIGATOR-Regelung 2.0 ja - über Modbus lässt sich der aktuelle Überschuss als Wert übergeben, und die Wärmepumpe richtet ihren Betrieb daran aus. Das ist deutlich feiner als ein reines SG-Ready-Signal.

Welche Schnittstellen bietet die IDM für PV?

Mehrere: Modbus TCP über Netzwerk (am feinsten), ein 0-10-V-Signal und S0 (proportional) sowie einen einfachen Schwellwert-Kontakt (an/aus). Welcher Weg sinnvoll ist, hängt vom Wechselrichter und vom vorhandenen Messgerät ab.

Funktioniert IDM nur mit Fronius gut?

Nein. Fronius ist eine häufig dokumentierte und oft einfache Kombination. Über ein Messgerät bzw. ein Energiemanagement lässt sich der Überschuss aber von praktisch jedem Wechselrichter an die IDM übergeben.

Reicht myiDM+ energy aus?

Für die Wärmepumpe allein ist es eine gute Lösung - inklusive Lastverschiebung nach dynamischem Tarif. Es optimiert aber nur die Wärmepumpe und sieht nicht das Gesamtsystem aus PV, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe. Für die haushaltsweite Priorisierung braucht es eine übergeordnete Steuerung.

Was leistet enyo zusätzlich?

enyo ist ein herstellerübergreifendes Energiemanagement, das den PV-Überschuss aus deinem Wechselrichter ausliest, über Modbus an die NAVIGATOR-Regelung schreibt und Wärmepumpe, Batterie und Auto vorausschauend priorisiert - auf Basis von Wetterprognose und dynamischem Strompreis, markenunabhängig.

Über enyo

enyo ist ein lokales, herstellerübergreifendes Energiemanagement-System aus Köln. Der enyo connector wird im Heimnetz betrieben und verbindet Wärmepumpe, PV-Anlage, Batteriespeicher und Wallbox verschiedener Hersteller. Er kostet 599 Euro einmalig ohne Abo, wird ohne Elektrofachbetrieb in Betrieb genommen und verteilt die vom Netzbetreiber vorgegebene Leistungsgrenze nach §14a EnWG intelligent auf die Geräte im Haus. Entwickelt in Köln, hergestellt in Deutschland.

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