Technik · 8 min

Solvis Wärmepumpe mit Wechselrichter & PV kombinieren: SolvisControl, der große Speicher & die ehrliche Modbus-Frage

Warum der Solvis-Schichtspeicher ein idealer PV-Puffer ist - und wo die SolvisControl bei der Überschuss-Steuerung tatsächlich ihre Grenze hat.

Solvis bringt mit dem großen Schichtspeicher einen echten Trumpf für die PV-Nutzung mit - aber die SolvisControl steuert den Überschuss gröber, als viele erwarten. Was wirklich geht und wo die Grenze liegt.

Von Noah Schonnebeck · Gründer & Strategie · Veröffentlicht am 2026-06-12

Die kurze Antwort: Der große Solvis-Schichtspeicher nimmt PV-Überschuss hervorragend als Wärme auf, während die SolvisControl-Steuerung dabei eher grob zwischen zwei Temperaturniveaus umschaltet. Eine feine, vorausschauende Ausnutzung des Speichers gelingt am besten mit einer zusätzlichen Steuerungsebene.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Solvis kommt vom patentierten Schichtladen-Pufferspeicher SolvisMax - ein großer PV-Puffer als thermische Batterie.
  • Die SolvisControl 3 ist hybridfähig und über Modbus TCP an Wechselrichter und Energiemanagement anbindbar.
  • Die Schnittstelle schaltet im Kern auf ein höheres Temperaturniveau um, statt die Leistung stufenlos dem Überschuss nachzuführen.
  • In einem SolvisMax mit 750 Litern lassen sich bei 10 Kelvin Hub rund 8,6 kWh Wärme speichern.

Warum Solvis ein Sonderfall ist: das System ist der Speicher

Solvis (aus Braunschweig) kommt nicht vom Wärmeerzeuger, sondern vom Speicher. Im Zentrum jeder Solvis-Anlage steht der patentierte Schichtladen-Pufferspeicher (SolvisMax), an den sich verschiedene Wärmequellen anschließen lassen - eine Wärmepumpe, Solarthermie, bei Hybridanlagen auch Gas oder Pellet. Für die PV-Nutzung ist das ein echter Vorteil: Ein großer Speicher kann viel Überschuss aufnehmen, bevor er „voll" ist. Zur Einordnung der Größenordnung: In einem SolvisMax mit 750 Litern lassen sich bei nur 10 Kelvin Temperaturhub bereits rund 8,6 kWh Wärme speichern - die Wärmepumpe kann also länger am Stück mit Solarstrom laufen, statt nach Minuten zu takten.

Die eigentliche Frage bei Solvis lautet deshalb nicht „kann der Speicher PV-Überschuss aufnehmen" - das kann er sehr gut -, sondern „wie fein lässt sich steuern, wann und wie stark er mit Sonne gefüllt wird".

Die relevanten Solvis-Komponenten und Schnittstellen

  • SolvisControl 3 (SC-3) - die zentrale Systemregelung; steuert Wärmepumpe, Solarthermie, konventionelle Erzeuger und PV2Heat in einem.
  • SolvisMax / Schichtspeicher - die thermische Batterie, in der der PV-Überschuss als Wärme landet.
  • Solvis-Wärmepumpen (z. B. SolvisLea, Solvis Mia) - die an den Speicher gekoppelten Wärmeerzeuger.
  • Smart-Grid-Kontakt - ein potentialfreier Eingang, über den sich ein zweites, höheres Temperaturniveau freigeben lässt (SG-Ready-artig).
  • Modbus TCP - die Schnittstelle der SolvisControl zur Anbindung an Wechselrichter und Energiemanagement.
  • Solvis-Portal - kostenfreie Visualisierung der Energiebilanzen und Betriebszustände für Betreiber und Fachhandwerker.

Die Wege, Solvis mit PV zu koppeln - und ihre Unterschiede

1. Smart-Grid-Kontakt (einfach). Über einen potentialfreien Kontakt wird bei Überschuss ein zweites, höheres Temperaturniveau freigegeben - die Anlage darf wärmer fahren und füllt den Speicher. Das lässt sich mit einem einfachen Schaltrelais am Wechselrichter umsetzen. Funktioniert, ist aber eine grobe An/Aus-Schwellenlogik.

2. Modbus TCP über SolvisControl (Anbindung, aber mit Grenze). Die SolvisControl kommuniziert mit der Wärmepumpe über Modbus und lässt sich per Modbus TCP auch von außen einbinden. Wichtig zu wissen: Auch hier läuft die eigentliche Steuerung im Kern über das Umschalten auf ein höheres Temperaturniveau - eine freie, stufenlose Leistungsvorgabe „nimm genau diesen Überschusswert auf" ist nicht der Standard der Schnittstelle.

Die Kopplungswege im Solvis-System

KopplungswegWas Solvis damit machtGrenze
Smart-Grid-KontaktZweites Temperaturniveau bei Überschuss freigebenGrobe Schwellwert-Logik
Modbus TCP (SolvisControl)Anbindung an Wechselrichter/EnergiemanagementIm Kern Niveau-Umschaltung, keine freie Leistungsvorgabe

Stand: Juli 2026. Produktangaben und Schnittstellen können sich mit neuen Modellgenerationen ändern - maßgeblich sind die jeweils aktuellen Angaben von Solvis.

Die ehrliche Einordnung: großer Speicher, grobe Steuerung

Hier lohnt sich Klartext, weil im Netz manchmal mehr versprochen wird, als die Schnittstelle hält. Solvis' Stärke ist eindeutig der Speicher - groß, gut geschichtet, ein idealer PV-Puffer. Die Steuerung dieses Speichers über die Solvis-eigene Schnittstelle ist dagegen eher grob: Sie schaltet auf ein höheres Temperaturniveau um, wenn Überschuss da ist. Was sie im Standard nicht tut, ist die Wärmepumpenleistung stufenlos dem tatsächlichen Überschuss nachzuführen. Mehrere Anwender, die genau das versuchen, berichten von wochenlangem Tüfteln ohne sauberes Ergebnis.

Das ist keine Schwäche des Speichers - im Gegenteil, der ist der Trumpf. Es ist die typische Lücke zwischen „der Speicher könnte viel" und „die Hersteller-Schnittstelle steuert nur grob". Und genau diese Lücke lässt sich mit einer übergeordneten Steuerung schließen.

Der zweite Stolperstein: der Hausakku zieht den Überschuss weg

Wie bei jeder Wärmepumpe gilt auch bei Solvis: Wenn ein Hausakku jeden Überschuss sofort speichert, bleibt für das Aufheizen des Speichers nichts übrig. Gerade weil der Solvis-Speicher so viel aufnehmen könnte, ist eine kluge Priorisierung (wann füllt sich der Akku, wann der Wärmespeicher) hier besonders wertvoll - und ohne übergeordnete Steuerung schwer von Hand zu lösen.

Solvis mit den großen Wechselrichter-Herstellern

Kostal

Der Überschuss wird über ein Kostal-Messgerät ermittelt und an die SolvisControl übergeben - per Modbus TCP oder über den Smart-Grid-Kontakt zum Beladen des Schichtspeichers. → Kostal Wechselrichter mit Wärmepumpe

Fronius

Funktioniert über die Ermittlung des Überschusses am Fronius-Zähler und dessen Übergabe an die SolvisControl - in der Praxis meist über den Smart-Grid-Kontakt oder eine vermittelnde Instanz. → Fronius Wechselrichter mit Wärmepumpe

SMA

Über SMA Energy Meter bzw. Sunny Home Manager steht der Überschuss bereit; die Übergabe an Solvis erfolgt über den Smart-Grid-Kontakt. → SMA Wechselrichter mit Wärmepumpe

Sungrow

Über das Sungrow-Messgerät bzw. den Hybrid-Wechselrichter wird der Überschuss ermittelt und an die SolvisControl übergeben - meist über den Smart-Grid-Kontakt zum Beladen des Speichers. → Sungrow Wechselrichter mit Wärmepumpe

Huawei

Der Überschuss wird über den Huawei-Smart-Power-Sensor erfasst und an die SolvisControl weitergegeben. Die Markenpaarung ist zweitrangig - entscheidend ist die vermittelnde Steuerung. → Huawei Wechselrichter mit Wärmepumpe

SolarEdge

Funktioniert über die Erfassung des Überschusses am SolarEdge-Zähler und dessen Übergabe an die SolvisControl, in der Praxis über den Smart-Grid-Kontakt. → SolarEdge Wechselrichter mit Wärmepumpe

Wann sich eine zusätzliche Steuerungsebene lohnt

Ein herstellerübergreifendes HEMS (Home Energy Management System) wie enyo holt genau das aus dem Solvis-Speicher heraus, was die Hersteller-Schnittstelle allein liegen lässt. Es misst den echten Überschuss aus deinem Wechselrichter - markenunabhängig -, entscheidet vorausschauend, wann der große Schichtspeicher gefüllt wird, und priorisiert dabei zwischen Wärmespeicher, Hausakku und Auto. Über die Wetterprognose lädt es den Speicher mittags gezielt vor; über den dynamischen Strompreis auch dann, wenn der Börsenstrom günstig ist - sodass abends weniger teuer nachgeheizt werden muss. Gleichzeitig nimmst du die §14a-Netzentgelt-Vorteile für steuerbare Wärmepumpen mit.

Der Punkt ist nicht, dass Solvis schlecht wäre - der Speicher ist sogar ein echter Vorteil gegenüber Anlagen mit kleinem Puffer. Eine zusätzliche Ebene lohnt sich, weil sie diesen Vorteil erst voll ausspielt: vorausschauend, fein dosiert und über alle Verbraucher hinweg - in der Regel ohne Hardwaretausch.

Weitere Wärmepumpen mit PV-Wechselrichter im Vergleich: Vaillant · Viessmann · Bosch & Buderus · Stiebel Eltron & Tecalor · Lambda · NIBE. Eine Gesamtübersicht bietet die große Kompatibilitäts-Matrix.

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Kann eine Solvis-Wärmepumpe PV-Überschuss nutzen?

Ja. Über den Smart-Grid-Kontakt wird bei Überschuss ein höheres Temperaturniveau freigegeben, und der große Schichtspeicher wird mit Sonnenstrom geladen. Zusätzlich ist die SolvisControl über Modbus TCP anbindbar.

Kann die SolvisControl die Wärmepumpe stufenlos am Überschuss modulieren?

Im Standard nicht. Die Schnittstelle schaltet im Kern auf ein höheres Temperaturniveau um, statt die Leistung stufenlos dem tatsächlichen Überschuss nachzuführen. Für eine wirklich feine, vorausschauende Nutzung des Speichers braucht es eine übergeordnete Steuerung.

Was bringt der große Solvis-Speicher bei PV?

Sehr viel: Der Schichtladen-Pufferspeicher kann große Mengen Überschuss als Wärme aufnehmen (bei 750 Litern und 10 Kelvin Hub rund 8,6 kWh). Die Wärmepumpe läuft dadurch länger am Stück mit Solarstrom, statt häufig zu takten - das erhöht den genutzten PV-Anteil deutlich.

Mit welchem Wechselrichter funktioniert Solvis am besten?

Das ist weniger eine Frage der Marke als der Steuerung. Der Überschuss wird über ein Messgerät am Netzanschluss ermittelt und an die SolvisControl übergeben - das geht mit praktisch jedem gängigen Wechselrichter, meist über den Smart-Grid-Kontakt oder per Modbus TCP. Entscheidend für das Ergebnis ist, wie vorausschauend der Speicher gefüllt wird.

Was leistet enyo zusätzlich?

enyo ist ein herstellerübergreifendes Energiemanagement, das den PV-Überschuss aus deinem Wechselrichter ausliest, das Beladen des Solvis-Speichers vorausschauend plant und Wärmespeicher, Batterie und Auto gegeneinander priorisiert - auf Basis von Wetterprognose und dynamischem Strompreis, markenunabhängig.